Uganda weltweiter Spitzenreiter bei Schulschließungen

Nach Erhe­bun­gen von UNICEF waren die Pri­ma­ry — und Sec­ondary-Schools in Ugan­da  83 Wochen lang geschlossen – trau­riger Wel­treko­rd! Danach fol­gen im Rank­ing einige große  Staat­en in Südameri­ka, aber auch Indi­en.

Dies hat drastis­che Auswirkun­gen auf das Bil­dungssys­tem Ugan­das, wie einem Bericht von Aljazeera vom 7.12.2021 zu ent­nehmen ist:

 

Kon­se­quen­zen der Schulschließun­gen 

Betrof­fen von den Schulschließun­gen sind etwa 15 Mio. Schüler.

Nach Angaben der Nation­al Plan­ning Author­i­ty (NPA) wer­den voraus­sichtlich bis zu 30 Prozent der Schüler im Jan­u­ar auf­grund von Teenager­schwanger­schaften, Frühver­heiratung und Kinder­ar­beit nicht auf ihre Schul­bänke zurück­kehren. In Not ger­atene Eltern entschei­den sich eher dazu, ihren Söh­nen eine Bil­dung zu finanzieren, als ihren Töchtern, die schnell (zwangs-) ver­heiratet wer­den. Allerd­ings arbeit­en viele Buben im Berg­bau, Straßen­verkauf und Zuck­er­rohran­bau. Da sie jet­zt Geld ver­di­enen, wollen sie weit­er arbeit­en und nicht mehr in die Schule gehen.

Lehrer in öffentlichen Schulen, die wegen Coro­na geschlossen wur­den, erhal­ten weit­er ihr Gehalt. Lehrer in Pri­vatschulen dage­gen wurde oft das Gehalt nicht aus­bezahlt, da diese Schulen ja auch kein Schul­geld ein­genom­men hat­ten. Schlim­mer noch: Die NPA schätze schon im August 2021, dass 3.507 Grund­schulen und 832 Sekun­darschulen auf­grund finanzieller Not geschlossen wer­den wür­den.

Deshalb suchen sich diese Lehrer ohne Gehalt jet­zt neue Beschäf­ti­gun­gen und wer­den ver­mut­lich nicht mehr in den Schul­dienst zurück­kehren. Eine Aus­nahme bildet die IMLS:  Die Lehrer kamen während der Schließung täglich an die Schule und beka­men dort Verpfle­gung, über die sie sehr glück­lich waren. Der Fördervere­in für Musik und Kul­tur Ugan­da e.V. unter­stützte sie während des Lock­downs auch etwas finanziell.

Die Regierung hat ein Pro­gramm über 50 Mio. $ aufgelegt, um die Wieder­eröff­nung der Schulen unter Ein­hal­tung von Coro­na-Schutz­maß­nah­men zu organ­isieren und Schüler und Lehrer wieder in die Schulen zu brin­gen. Allerd­ings ist fraglich, ob dieses Geld aufge­bracht wer­den kann.

Dr. Munir Safield­in, der Vertreter von UNICEF in Ugan­da berichtet.

Zwis­chen März 2020 und Juni dieses Jahres meldete das Land einen 22,5‑prozentigen Anstieg der Schwanger­schaften bei Mäd­chen im Alter von 10 bis 24 Jahren, die eine erste Schwanger­schafts­be­treu­ung sucht­en. Die Zahl ist auf 98.810 angestiegen. Darüber hin­aus hat­ten etwa 2 von 10 Kindern weniger als eine Mahlzeit am Tag, da sie keinen Zugang mehr zu den Mahlzeit­en im Rah­men der Schul­speisung­spro­gramme hat­ten. Hin­ter jed­er Schule ste­ht ein sicheres Kind, ein ler­nen­des Kind. Es gibt Belege dafür, dass die Rechen- und Lese­fähigkeit der Kinder sinkt und viele das Risiko einge­hen, nie wieder eine Schule zu besuchen. Es gibt andere Risiken wie Kinder­ar­beit, neg­a­tive psy­chis­che Gesund­heit und sex­uelle Aus­beu­tung, da viele Mäd­chen im Teenager­al­ter schwanger wer­den und Opfer früher Ehen wer­den. Ugan­da hat eine hohe Rate an Teenager­schwanger­schaften und frühen Eheschließun­gen.

Laut der Ugan­da Nation­al House­hold Sur­vey (2016) sind 34 Prozent der Frauen in Ugan­da vor dem 18. Leben­s­jahr und 7,3 Prozent vor dem 15. Leben­s­jahr ver­heiratet. Die Rate der Teenager­schwanger­schaften bei her­anwach­senden Mäd­chen im Alter von 15 bis 19 Jahren beträgt 25 Prozent.

UNICEF dankt der Regierung Ugan­das dafür, dass sie die Lehrkräfte pri­or­isiert geimpft hat. Das Min­is­teri­um für Bil­dung und Sport (MoES) hat 2,9 Mio Kindern Lern­ma­te­ri­alien zur Ver­fü­gung gestellt. Durch Radioun­ter­richt und dig­i­tales Ler­nen wur­den auch mehr Kinder beim Ler­nen unter­stützt.

Allerd­ings schätzt die Nation­al Plan­ning Author­i­ty (NPA) dass mehr als die Hälfte der Schüler mit der Schließung ihrer Schulen aufhörten zu ler­nen, weil sie  keinen Zugang zum dig­i­tal­en Ler­nen haben und nicht von den Eltern angeleit­et wer­den.

Quellen: Aljazeera vom 7.12.2021 und UNICEF Büro Kam­pala

Am 10.1.2022 wur­den die Schulen in Ugan­da wieder eröffnet. Die Pri­vatschulen befürcht­en, dass ein Teil der bish­eri­gen Schüler nicht mehr an die Schule kom­men, da diese eine Arbeit aufgenom­men haben bzw. die Eltern wegen der Coro­na-Pan­demie ihre Lebens­grund­lage ver­loren haben und die Schul­ge­bühren nicht mehr finanzieren kön­nen.

Die Sit­u­a­tion an der IMLS

Da die IMLS als Bil­dung­sein­rich­tung außer­halb des Bere­ich­es der Pri­ma­ry- und Scondary-Schulen eingestuft ist, kon­nte sie am 1.11. 2021 ihren Betrieb wieder aufnehmen. Voraus­set­zung dafür war allerd­ings, dass alle Lehrer geimpft sind, was auch durchge­führt wurde. Auch alle Studieren­den über 18 Jahre müssen geimpft sein. Darüber waren Lehrer und Studierende über­glück­lich.

Die Studieren­den über­nacht­en getren­nt nach Geschlecht in Inter­nat­en: ca. 80 Mäd­chen und ca. 40 Jun­gen. Sie bleiben dort während des ganzen Trimesters und fahren höch­stens an großen Fest­ta­gen (Weihnachten/Ostern) für 2–3 Tage zu ihren Fam­i­lien.  Studierende aus Tansa­nia oder Soma­lie bleiben die ganze Zeit im Inter­nat.